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Der innere Reichtum der Sommersonnwende

Die Sommersonnenwende ist auch unter der Bezeichnung  Litha (keltisch: Liebe), Heilige Hochzeit oder Johannifest (Feuer) bekannt. In diesem Jahr ist der astronomische Zeitpunkt der 21. Juni um 6:24 Uhr MESZ. Der „Stillstand der Sonne“ lädt uns zur Ausdehnung und Entfaltung am höchsten Punkt ein. Diesen besonderen Wendepunkt im Sommer ist wie eine Aufforderung, endlich bewusster in die Fülle des Sommers einzutauchen – alle Facetten und Eigenheiten dieser Jahreszeit ganz und gar mit allen Sinnen zu genießen – fast festzuhalten oder zu konservieren für die kalten Tage.

Obwohl ja da erst richtig „Sommeranfang“ ist, markiert die diese Nacht den Zeitpunkt, an dem die Sonne wieder ihre Bahn verändert und dadurch ihre Kraft zurücknehem wird! Höher und weiter geht es nicht mehr … (Sonnenaufgang um 5.21 Uhr, Sonnenuntergang um 21.31 Uhr – so lange hell draußen!).

Jeden Abend bleibt es nun bis zu dieser Sonnenwende länger hell und bei entsprechenden Temperaturen können wir die Zeit im Freien ausdehnen und sommerlich leicht bekleidet die hereinbrechende Nacht, den Mond und die funkelnden Sterne begrüßen.

Die Natur beschenkt uns mit ihrer Fülle und dem Reichtum ihrer Blüten und Früchte. Sattes Grün, duftende Rosen, die ersten Beeren und Feldfrüchte, pralle Sonne, Gewitterwolken, Regenschauer – ein Gefühl von Leichtigkeit umweht uns.

Das innere Erleben steht dabei besonders im Vordergrund. Als ob das bunte Leben der Natur als Spiegel dient, damit wir sie in unser Innerstes aufnehmen können.

Ein Innehalten in der größtmöglichsten Ausdehnung.

Allein das Erblühen einer Rose  zeigt uns in aller Deutlichkeit, wie wir uns nun entfalten dürfen, um uns zwischen Himmel und Erde in unserer ganzen Pracht und dem uns innewohnenden Potenzial auszudehnen.

 

(c) birgit matz

 

Die beste Freude ist das Wohnen in sich selbst.
(J.W. von Goethe)

 

Bis zur Wintersonnenwende ist es noch weit – genau ein halbes Jahr. Ähnlich sind sich diese beiden Festpunkte in der Weise, als dass ein so genanntes und ganz und gar offensichtliches Sonnenfest  „ausgeliehen“ wurde, um einen heiligen Menschen zu würdigen. Die Geburt Jesu am 24.12. ist wohlbekannt – das Entzünden von Johannifeuer zu Ehren von Johannes dem Täufer zeigt uns schon mit dem Datum am 24. Juni die Parallele. Während am 21.12. der Schwerpunkt bei der Geburt liegt, erfahren wir zum gegenüberliegenden Zeitraum den Aspekt der  Mütterlichkeit! Am 21. Juni ist also die höchste Ausdehnung der Sonnenlaufbahn vollbracht! Und dieser Zeitpunkt ist magisch und schenkt uns ungeahnte Kräfte …

Feuerrituale sind uralt und überaus heilsam. Schließlich waren die Würdigung und der Erhalt des Feuers überlebenswichtig. Bis heute übt ein Feuer Faszination auf uns aus… stundenlang können wir hineinschauen und werden dabei ruhiger. Reinigung und Transformation werden dem Feuer zugesprochen. Im Tierkreis wandert die Sonne jedoch in das Wasserelement Krebs mit dem Mond als Planetenherrscher. In der TCM kontrolliert Wasser das Feuer!

Es ist beinahe eine „sorglose“ Zeit – oder einfach nur eine Phase, in der alles ein wenig leichter geht. Früher zumindest wurde dies würdigend gefeiert. Es fanden 12-tägige Feiern (!) statt, denn die Sonne steht – analog zu den 12 Raunächten  – scheinbar unbewegt am Himmelszelt.

Nackt und nur mit bunten Blumenkränzen und Beifußgürtel (zur Stärkung der Manneskraft) bekleidet, wurde wild und ausgelassen gefeiert. Liebespaare verbrachten die Nacht auf Beifuß- und Johanniskraut. Zuvor wurde aber über das Sonnwendfeuer gesprungen und der Krautgürtel ins Feuer geworfen.  Erneuerung der Kräfte durch das Feuer …

 

Man kann einen seligen, seligsten Tag haben,
ohne etwas anderes dazu zu gebrauchen
als blauen Himmel und grüne Erde.

(Jean Paul)

 

(c) birgit matz

 

Die Pflanzen, Bäume und Kräuter[1], die uns nun ganz besonders viel Kraft schenken sind

  • Frauenmantel (Alchemilla vulgaris)
  • Baldrian (Valeriana officinalis)
  • Leinsamen (öl)
  • Linde(nblüten)
  • Nachtkerze (Oenothera biennis)
  • Beifuß (Artemisia vulgaris)

 

Der Frauenmantel hilft nicht nur Frauen und schenkt ihnen ihr urweibliches Wissen. Die Gerb- und Bitterstoffe sowie Flavonoide heilen auch Wunden und helfen bei Entzündungen. Also auch was für Männer! Baldrian ist ein Allheilmittel und bringt mit den weißen und hellen Blüten Licht ins Dunkel unserer Ängste und Sorgen. Baldrian schenkt einen inneren Ruheraum und Gelassenheit – aber auch Konzentration und Harmonie. Leinöl ist reich an Omega-3-Fettsäuren, die Geschmeidigkeit und Leichtigkeit geben. Diese Art der Fettsäuren benötigen wir auch für die Zellwände, damit der Informationsaustausch heilbringend und reibungslos funktionieren kann. Unter einem Lindenbaum duftet es verführerisch süß und man hört das emsige Treiben und das Summen der Bienen. Unser Herz öffnet sich unter einer Linde viel leichter und macht uns dadurch auch offener und freudiger. Ihre Blüten helfen als Tee, um beim Schwitzen Bakterien und Viren aus dem Körper zu treiben. Und früher wurde gerne in milden Sommernächten unter einer Linde getanzt! Vielleicht steht ja eine Linde in der Nähe? Die gelben Blüten der Nachtkerze öffnen sich nur in der Nacht und leuchten mit einem betörend süßen Duft bis in den Morgen hinein. Eine Blüte bringt 200 kleiner Samen hervor, die das wertvolle Nachtkerzenöl liefern – und hervorragend bei Allergien, Hauterkrankungen und Asthma helfen. Beifuß ist eine magische Pflanze und zugleich die Mutter aller Pflanzen. Der lateinische Name verrät uns die Kraft der Feuergöttin Artemis, die dahinter steckt! Es ist eine heiße und trockene Pflanze und schenkt wärmende und feurige Energie – bei kalten Füßen, Gicht, mangelnde Sexualkraft und unerlässlich bei Geburten, die diese erleichtert.

In dieser Fülle liegt es nahe, sich intensiv mit den Kräften und den Geschenken der Natur zu verbinden. Innerlich, äußerlich, tanzend, singend, meditierend, kraftvoll, leise, besinnlich, berauschend (das geht auch ohne Alkohol).

Ein Augenmerk fällt dabei auf das eigene „genährt werden“  und die Fragestellungen:

  • Was nährt mich wirklich?
  • Was bringt mir Fülle?
  • Was bringt mir (inneren) Reichtum?
  • Wie geht es meinem „inneren Kind“?
  • Wo und wie kann ich freudig und sorglos sein?
  • Was sind meine echten Bedürfnisse?

In dieser Phase geht es zudem darum, die Entfaltung in hoher Qualität zu zelebrieren. Die Pflanzen lenken nun ihre Kräfte in ihre Früchte, um das Reifen zu vollenden. Wie gesagt, der höchste Punkt der Ausdehnung ist nun erreicht.

Marianne Williamson schreibt in ihrem Besteller „Rückkehr zur Liebe“:  „Unser Licht, nicht unsere Dunkelheit erschreckt uns am meisten.“

Wir alle wissen, dass Dunkelheit nur das Fehlen von Licht ist! Also ist diese Zeit bestens dazu geeignet, unser Licht erstrahlen zu lassen sich all den Ängsten, Sorgen, Paniken oder Depressionen mit unserer lichtvollen Präsenz zu nähern!

Weiter aus ihrem Buch „The Shadow Effect“[2]: „Unser Umgang mit menschlicher Unvollkommenheit ist demnach das, was darüber entscheidet, ob wir im Schatten oder im Licht leben… Und wenn wir uns auf das besinnen, was wir eigentlich sind, wenn wir bedingungslos und unbeirrbar lieben, wird die Welt insgesamt die richtige Richtung einschlagen.“

Nicht nur unsere persönliche Entwicklung ist damit gemeint sondern auch (oder gerade) unseren gemeinsamen und gesamtgesellschaftlichen Weg – was eben nicht voneinander zu trennen ist. Jede/r kann also heute damit anfangen, Licht ins „Dunkel“ zu bringen!

 

 

Wie gelangt Licht in ein Haus?
Wenn die Fenster geöffnet sind.
Wie gelangt Licht in einen Menschen?
Wenn das Tor der Liebe geöffnet ist.

(Paulo Coelho)

 

(c) birgit matz

 

[1] Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter, Ursula Stumpf, Kosmos 2010
[2] Deepak Chopra, Debbie Ford & Marianne Williamson: „The Shadow Effect”, Kamphausen 2011

 

 

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