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Die erste Ernte oder das Kräuterweihefest

Kraftvolle Kräuterernte – Das Jahreskreis-Fest zu Beginn des Monats August

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„Wenn du die Kraft ernten willst, musst du jetzt schneiden!“

Die Prozesse in der Natur sind unaufhaltsam – und doch möchten wir so gerne manchmal die Zeit anhalten – besonders die Sommerzeit mit den langen Nächten, der Hitze und dem Gefühl von Leichtigkeit. Doch die Natur löst sich gerade jetzt von ihren Bindungen und Verpflichtungen, denn sie „investiert“ in Reife und Sicherung – und hierfür muss sie sich trennen! Erste Spuren der Trockenheit und Vergänglichkeit sind sichtbar und man mag es kaum glauben…

Wenn es richtig heiß und trocken ist, dann wird auch die versengende Seite der Sonne spürbar. Bauern fürchten sich vor Unwetter und hoffen, die Ernte rechtzeitig einbringen zu können. Die Getreide- und Heuernte und das Haltbarmachen von Früchten sowie das Trocknen oder Verarbeiten der Kräuter sind nun an der Reihe. Wo heute noch goldene Ähren sich im Wind biegen – steht morgen ein abgeschnittenes Feld vor unseren Augen. Ohne einen perfekten Schnitt – so scharf wie die Klinge einer Sichel – wäre unsere Nahrungsversorgung nicht möglich (je nachdem wie wir uns ernähren…).

Nur die Bäume brauchen zum Ernten keinen Schnitt: Diese Früchte fallen herunter, wenn sie reif sind…

Doch gehen wir noch einmal in Erinnerung an die letzten sieben Monate zurück…. Zur Wintersonnenwende feierten wir die Geburt des Lichts, zu Brigid unsere Visionen, im Frühling den Aufbruch und Durchbruch, zu Beltane (Walpurgis) das Wilde und Mutige, zur Sommersonnenwende schließlich Fülle und Reichtum.

Und nun heißt es: Schneiden und Ernten!

Das im Jahreskreisrad gegenüberliegende Fest ist Brigid – dort schufen wir unsere ätherischen Visionen! Ein halbes Jahr später – also am 1. August – dürfen wir diese nun endlich ernten: Das Symbol der abnehmenden Mondsichel ist das perfekte Werkzeug, um zielsicher und konkret zu trennen, was in dieser Zeit gereift ist – oder was nicht mehr gut geht und uns stört oder behindert.

Wichtig ist dabei: Kein Zögern beim Schneiden, sonst verwelkt das „Projekt“!

Hieerzulande wird der August auch Sichel – oder Erntemond genannt. Heutzutage werden die Felder mit großen Maschinen abgeerntet. Vielleicht gibt es ja auch einen Zusammenhang zwischen der technischen Art und Weise der Ernte und der teilweise lieblosen Verarbeitung und Verunstaltung der lebendigen Nahrungsmittel.

Vor ca. 10.000 Jahren begann der Mensch, Getreide anzubauen. Jede Hochkultur entwickelte ihre eigene Getreideart. Der Ursprung ist jedoch der Nahe Osten. Getreide ist also ein Kulturgras. Korn war einst ein anerkanntes Zahlungsmittel (Stichwort Tauschgeschäfte). Und heute ist es zum Spekulationsobjekt an der Warenbörse mutiert…

Getreide symbolisiert das Werden und Vergehen. Getreide ist Frucht und Samen zugleich! Das Brotbacken ist eine durchaus heilige Handlung – ein Akt der Verwandlung im Inneren. Zu Lammas wurde also das erste Brot gesegnet, ein Teil davon gegessen und der andere Teil auf dem Feld geopfert.

Die Frucht der Erde aus Gottes Schein,
lass Licht auch werden im Herzen mein.

Traditionelles Tischgebet

Die Kräuterernte zur heilenden Verwendung beginnt ja schon viel früher – dennoch ist es Tradition, Anfang August (die katholische Kirche hat den 15. August als „ihren“ Frauen-Heiligen-Tag) einen Kräuterstrauß zu binden – je nach Möglichkeit mit 7 oder 9 oder 77 oder 99 verschiedenen Kräutern.

Wichtig ist die ungerade Anzahl! Die bedeutet Beweglichkeit im Energiefluß! Dadurch erhält der Strauß magische Kräfte.

Lammas Deko

Getrocknet und dann an einem besonderen Platz in der Wohnung aufgehängt, verleiht es der fleißigen Sammlerin (oder dem Sammler) das Jahr über Kraft, Schutz und Verbundenheit.

Kräuter machen im Körper eine Türe auf, durch die dann Seele und Geist hindurchgehen können.. Kräuter beheben die Ursache

und wollen nur das Gute. Kräuter haben eine Botschaft. Sie sind ein Geschenk.

 

 

Bei einem Schnitt fügen wir der Pflanze (oder einem Menschen oder einer Situation) meist eine „Wunde“ zu… und was hilft da u.a. zu heilen?

Die Ringelblume oder „Die Sonnige“!

Man nennt sie auch Sonnenwirbel oder Mariengold, denn sie öffnet morgens ihre Blüten nur dann, wenn Sonnenschein angesagt ist! Und das Sonnenlicht wird unermüdlich zur Bildung wertvoller Heilkräfte genutzt. Ihre Blüten leuchten orange- bis rotgelbfarben, ihre Blätter sind filzig und behaart. Sie wächst nicht nur, sie wuchert regelrecht und sie blüht lange Zeit bis in den Herbst hinein.

header calendula

Calendula – so der botanische Name – hat einen hohen Gehalt an Carotinoiden ist sie besonders wertvoll für die Widerstands-fähigkeit und Regeneration der Haut. Die Ringelblume wirkt somit ordnend, begrenzend und strukturierend: Sie reinigt das Wundgebiet, lindert Entzündungsprozesse und fördert die Bildung von neuem Gewebe. Die Ringelblume also hilft uns, damit unsere Wunden heilen… und wie schön ist dieser bekannte Satz „Unkraut vergeht nicht…“! Und was macht solch ein Un-Kraut aus? Ja genau: Vitalität! Es kommt von alleine, ist kraftvoll und wuchsfreudig und auch widerstandsfähig. Es folgt dem Ruf des Herzens!

Diese Zeit ist also eine erste Phase der „Vorbereitung“ auf das weiter voranschreitende Sterben im natürlichen Verlauf eines Jahres und eines Lebens. Diese Prozesse der Werdens und Vergehens als ewiger Kreislauf fordert uns auf, endlich in die ureigene Kraft und Reife zu kommen. Auch wenn das Schneiden und Begrenzen oftmals schmerzt, so ist das Ziel letztlich immer das Erlangen von Selbständigkeit, Selbstverantwortung und damit mehr Lebensqualität.

  • Füllen wir also nun unseren Medizinbeutel mit magischen Kräutern, um für die nächste Zeit gewappnet zu sein.
  • Backen wir als heilsame Handlung ein Brot…. Mahlen das Korn dafür und kneten in den Teig unsere Liebe und Achtsamkeit hinein.
  • Schauen wir genau hin, was zur Reife gekommen ist und was sich nicht mehr lohnt, weiter verfolgt und genährt zu werden!
  • Setzen wir wohlüberlegt, aber nicht zu spät, die notwendigen Grenzen für unser aller Wohl!

Um mit den Worten einer wunderbaren Dichterin zu schließen:

Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt von morgen aussieht!
(Marie von Ebner-Eschenbach)

 

© Birgit Matz

 

Quellen:
Ursula Stumpf: „Pflanzengöttinnen und ihre Heilkräuter“
Martina Kaiser: “ Der Jahreskreis“
Ziriah Voigt „Ritual und Tanz im Jahreskreis“

 

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