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DASGESUNDMAGAZIN VON BIRGIT MATZ

Die Wahrheit über Lilith und ihr Wunsch nach Versöhnung & Lebendigkeit Interview mit Kerstin Chavent zur "Wilden Göttin"

Versöhnung zwischen Mann und Frau ist das Anliegen von „Lilith“ und von der Buchautorin, Friedenjournalistin und Lebensbegleiterin Kerstin Chavent. Sie hat im aktuellen Titel „Die wilde Göttin“ viele wertvolle Hinweise gegeben, wie das gelingen kann. Da das Thema so überaus spannend und wichtig ist, habe ich sie um ein Interview gebeten.

Es ist wesentlich, unsere „Geschichte“ zu verstehen (auch alle Mythen, Erzählungen, Unwahrheiten …), um solchermaßen aufgeklärt in eine friedvolle Zukunft auszubrechen. Daraus entwickeln sich gänzlich neue Wege: in jedem Fall Frauen und Männer gemeinsam mit dem Wissen der Gleichwertigkeit in der Verschiedenartigkeit!

Die Fragen & Antworten

 

Birgit Matz:
Der Mythos „beginnt“ mit der „Verdrehung“ und die eigenverantwortliche Lilith entscheidet sich für ihre Wahrheit und ihr authentisches Sein. Vieles im Außen Sichtbare wird in den patriarchalen Strukturen verdreht und für etwas „anderes“, vermeintlich Besseres/Gesünderes etc. verkauft. Ist das Erkennen der Verdrehung und das entsprechende Umdenken und Handeln jetzt der Prozess, der gesellschaftlich passieren muss, um in Richtung Frieden und Heilung zu gehen?

Kerstin Chavent:
Die Erkenntnis ist der erste Schritt, um aus den Verdrehungen, die wir seit tausenden von Jahren erleben, wieder herauszukommen. So vieles wurde uns erzählt, um uns aus unserer Mitte, dem Sitz unserer ursprünglichen Kraft, herauszubringen. Wir glauben nicht mehr an eine große Mutter, die alle ihre Kinder liebt und nährt. An ihre Stelle ist ein strenger, eifersüchtiger, alleinherrschender Vater getreten, der die Gehorsamen privilegiert und die Ungehorsamen straft. Hiervon erzählt der Lilith-Mythos. Lilith war die erste Frau Adams. Als sie sich weigerte, sich einer männlichen Autorität unterzuordnen, wurde sie schwer bestraft. 100 ihrer Kinder, so der Mythos, wurden jeden Tag getötet. Wie keine andere wurde sie verteufelt, diffamiert und mit den schlimmsten Attributen belegt. Nichts und niemand sollte mehr daran erinnern, wie es einmal war.

Es gab keine Kriege. Im Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens standen die Fürsorge und der Schutz des Lebens

 

Denn es hat nicht „schon immer“ Krieg gegeben. Die Frau war nicht „schon immer“ dem Manne untergeordnet. Die Menschen lebten in Frieden, bevor vor etwa 6.000 Jahren die patriarchalen Gesellschaftsformen begannen, sich durchzusetzen. Es gab keine Kriege. Im Zentrum des gemeinschaftlichen Lebens standen die Fürsorge und der Schutz des Lebens. Frauen hatten keine Ehemänner, sondern Liebhaber. Niemand bestimmte über sie. Die biologische Vaterschaft war unwichtig. Die Kinder wurden von der Gemeinschaft im Mutterhaus aufgezogen. Es gab keine Unterdrückung, keine Ausbeutung, keine „Herr“-schaft. Die Welt war im Gleichgewicht. Frau und Mann standen sich ebenbürtig gegenüber und ergänzten einander. Sie lebten nach den Rhythmen und Zyklen, die die Natur vorgab. Es gab keinen Abfall, kein Recycling, keinen Besitz, an den die Menschen sich klammerten.

Die Kriege gingen mit den Staatenbildungen einher, den Eroberungen und Hierarchien, der Erfindung des Monotheismus und der Schrift, mittels derer die Ereignisse dokumentiert wurden. In der langen Geschichte der Menschheit, die vor etwa 2,6 Millionen Jahren begann, sind diese Kapitel erst vor kurzer Zeit geschrieben worden. Das gilt es zu erkennen. Die Wurzel der Übel, die heute das Leben auf dem Planeten zunehmend erschweren, ist das Patriarchat und die damit einhergehende Dominanz und Unterdrückung. Indem sich ein Geschlecht über das andere stellte, geriet das Ganze aus dem Gleichgewicht. Die Menschen vergaßen, wer sie eigentlich sind, und begannen, sich zwischen Minderwertigkeit und Hybris zu verlieren.

 

Birgit Matz:
Im Betrachten der letzten Jahre und Jahrzehnte habe ich den Eindruck, dass die Menschen sich nicht mehr fühlen können und auch gar nicht in ihrem Körper beheimatet sind. Es fehlt die Angebundenheit zur Erde und zum Himmel; der „Gott des Konsums“ wird stattdessen angebetet. In Konsequent fehlt jede natürliche und wahrhaftige Lebendigkeit – auch die in der Sexualität. Warum haben wir so viel Angst davor, das Transzendente zu erleben und das Mater-ielle zu befreien? Wäre dann das Mütterliche befreit (und das will man ja nicht)? Sind es die Frauen, die in der Beziehung und Sexualität diese Lebendigkeit wiederherstellen können?

Kerstin Chavent:
Mit dem Untergang von Zivilisationen, in denen sich die Pole gegenseitig ergänzten und die Menschen eins mit ihrer Natur waren, stürzten wir in eine Welt der Verdrehungen, der Lügen und der Gewalt. Das war der eigentliche „Sündenfall“. Mit der Erschaffung von Eva standen sich Mann und Frau nicht mehr gleichberechtigt gegenüber. So fiel auch alles andere aus dem Gleichgewicht. Die Dinge verschoben sich. Die ursprünglichen Kraftorte der Erde wurden besetzt und die Symbole von Liebe und Fruchtbarkeit verdreht. Der Apfel wurde zum Abbild der Verführung und der Sünde, die Schlange zum Zeichen des Bösen und das heilige Lebenskreuz zum Marterpfahl.

Das Paradies war nicht mehr hier bei uns auf der Erde, sondern irgendwo. Es steht nicht mehr allen offen, sondern kann nur über bestimmte Taten erreicht werden. Die ursprüngliche Angebundenheit an Himmel und Erde ging verloren. Das Göttliche ist nicht mehr unmittelbar über die Natur erfahrbar, sondern wurde zum abstrakten Ausdruck eines unerbittlichen, hierarchisch organisierten Machtgefüges, in dem es Mittelspersonen braucht, um mit Gott in Kontakt zu treten. Mit dem direkten Bezug ging uns auch unser natürliches Menschsein und die damit verbundene Lebendigkeit verloren. Seitdem die Frau in die Missionarsstellung gezwungen wurde, versiegte die Libido, der einst unerschöpfliche Lebensquell. Die pervertierte Lust entlädt sich in Vergewaltigung, Sado-Maso-Phantasien und Pädokriminalität.

Eva, die symbolische Urmutter unserer Zivilisation, hatte selbst keine Mutter.

 

Das Wilde, Ursprüngliche macht vielen Angst. So wie die Urwälder auf dem Planeten abgeholzt werden, so wird auch das weibliche Geschlecht auf ein Loch und einen Schlitz reduziert, glatt und haarlos wie bei einem ganz jungen Mädchen. Die Vulva gilt als hässlich. Frauen schämen sich dafür. Männer fürchten, sich an einem der letzten wilden Orte des Planeten zu verlieren. So entstehen immer neue Generationen, in denen Frauen keine Mütter und Männer keine Väter mehr sind. Beide verlieren zunehmend ihre Schöpferkraft. Die Fruchtbarkeit geht heute dramatisch zurück. Eva, die symbolische Urmutter unserer Zivilisation, hatte selbst keine Mutter. Als Klon eines Mannes, der kein gleichberechtigtes Gegenüber ertrug, wurde mit ihr der Grundstein für die Labore gelegt, in denen heute Menschen künstlich erschaffen werden sollen.

 

Birgit Matz:
Mich hat das Thema der Verletzlichkeit sehr berührt. In Gruppenprozessen ist das immer sehr heilsam, wenn wir uns als Mensch damit zeigen können. Wenn der echte Schmerz weggedrückt wird, weil wir stattdessen lieber in den schmerzvollen Krieg ziehen wollen, dann wäre ja die Lösung so „einfach“? Ich kenne viele Männer, die sich auch als Opfer dieser Strukturen fühlen – aber kaum herauskommen. Ist das Anschauen und Heilen dieser seelischen Wunden der erste Schritt zum Frieden?

Kerstin Chavent:
Was wir fliehen, ignorieren oder bekämpfen, das machen wir letztlich immer grösser. Nur was wir annehmen, kann sich auflösen. Hinschauen ist der erste Schritt zum Frieden. Doch wir haben die Schau zur Show gemacht. Erst wenn wir die Maskerade beenden und die Schleier fallen, können wir wieder zusammenfinden. Krankheit, Schmerz, Verletzung – sie wollen gesehen werden, geäußert: nach außen gebracht. Wie in einem Dampfdrucktopf wird das, was wir verdrängen und einschließen, ein Ventil suchen. Entweder es implodiert und wir werden krank, oder es explodiert und wir haben Krieg. Wenn wir dagegen ankämpfen, machen wir es nur noch schlimmer. Erst wenn wir die Information hinter den Ereignissen erkennen, können wir gesund werden.

Der Ausweg ist dort, wo die Dinge wieder ins Fließen kommen, wo geredet und ausgetauscht wird, wo man sich an einen Tisch setzt. Die aktuelle Debattenkultur und die Verschlossenheit vieler zeigt, wie weit wir von der Lösung entfernt sind. Gleichzeitig bietet ein Problem immer auch die Möglichkeit der Erkenntnis. Viele Menschen haben in den vergangenen Jahren ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass etwas Grundsätzliches nicht stimmt. Doch viele von ihnen sind enttäuscht oder fühlen sich allein. Ihnen möchte ich Mut machen.

Frauen kommt hierbei eine besondere Rolle zu.
Sie sind eingeladen, sich zu erheben.

 

Damit ein System kippt, muss nicht erst die Hälfte der Menschheit sich ändern. Es geht darum, Leuchttürme zu bauen und quasi Akupunkturpunkte zu setzen. Frauen kommt hierbei eine besondere Rolle zu. Sie sind eingeladen, sich zu erheben. Hier steht uns die Lilith-Kraft zur Seite. Sie ist aus der Verbannung zurück. Die Zeit der Verdamnis hat sie genutzt, ihre innere Wüste, ihre eigenen Abgründe zu durchqueren. Sie hat sich mit ihren dunkelsten Seiten, ihren größten Verletzungen auseinandergesetzt und hat sie integriert. An dieser Stelle in unserer Geschichte zeigt sie den Weg: Hinschauen, nicht wegstoßen, was wir wahrnehmen, es nicht bekämpfen, die eigenen Gefühle durchleben und sie annehmen, es immer wieder tun, so lange, bis alles verdaut ist. So wird der Zugang wieder frei zu dem, was des Menschen größtes Geschenk ist: die ihm angeborene Schöpferkraft, die Kraft, Realitäten zu bilden und neue Welten zu erschaffen.

 

Birgit Matz:
Gibt es eine Vision von Kerstin Chavent? Was wäre, wenn …?

Kerstin Chavent:
Was wäre, wenn Frauen und Männer offen über ihren Schmerz und ihre Verletzungen reden könnten? Was wäre, wenn wir nicht mehr vom anderen erwarten würden, dass er uns versorgt, bedient, rettet oder die Kartoffeln aus dem Feuer holt? Was wäre, wenn Frauen und Männer sich nicht mehr gegenseitig erniedrigen oder erhöhen? Was wäre, wenn wir wieder Vertrauen zueinander hätten, wirklich neugierig füreinander wären und die Eifersucht nicht als etwas Normales, sondern als eine Störung erkennen würden? Was wäre, wenn wir wieder frei lieben könnten, frei von Gewalt, frei von Angst, frei von Besitzansprüchen? Was wäre, wenn die Fürsorge wieder im Zentrum des gesellschaftlichen Lebens stünde, wenn wir uns wieder angebunden fühlen und unser Leben wieder einen Sinn bekäme?

Anstatt uns in künstlicher Ablenkung zu verlieren, würden wir die Natur wieder als das erkennen, was sie ist: heilig.

 

Was wäre, wenn es keine Kriege mehr gäbe? Wenn wir wieder Frieden zusammenleben würden? Würden wir uns langweilen? Würden wir nicht mehr wissen, was wir mit uns anfangen sollen? Oder würden wir die Depression hinter uns lassen, das Gefühl der inneren Leere, der Bindungslosigkeit, der mangelnden Begeisterung und Kreativität, unter der so viele von uns leiden? Würden wir nicht mehr von anderen erwarten, dass sie uns glücklich machen, sondern ganz einfach glücklich sein, weil unser Leben eine ganz neue Richtung bekommen hat? Anstatt uns in künstlicher Ablenkung zu verlieren, würden wir die Natur wieder als das erkennen, was sie ist: heilig. Hier würden wir einen neuen Anfang wagen. Nicht zurück in die Steinzeit soll es gehen, sondern in eine echte Partnerschaft zwischen Frau und Mann, die den Grundstein dafür legt, endlich, endlich wieder Geborgenheit und Hingabe zu empfinden.

 

Herzlichen Dank für diese erhellenden Antworten!

Mehr zu Kerstin Chavent:
bewusstseinimwandel.blogspot.com
manova.news

ZUM BUCH:
dasgesundmagazin.de/2025/03/05/lesetipp-die-wilde-goettin

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