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Ein Hoch auf uns: Wenn Kinder und Jugendliche psychische Unterstützung brauchen Ein Gastbeitrag von der Heilpraktierkin für Psychotherapie Claudia Ulitzka-Ringleb

Ein Hoch auf uns! Auf all die Menschen, die sich tagtäglich dafür einsetzen, dass Kinder und Jugendliche mit ihren Sorgen, Ängsten und inneren Konflikten nicht alleine bleiben. Und ja – damit meine ich auch uns: die Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie. Denn während die Nachfrage nach psychotherapeutischer Unterstützung wächst, stehen viele Familien vor einer ganz anderen Realität: Sie brauchen Hilfe – aber ein Therapieplatz ist meist nicht kurzfristig verfügbar.

Für ein Kind, das gerade nicht mehr gerne zur Schule geht, unter Ängsten leidet, sich zurückzieht oder ständig mit Bauch- und Kopfschmerzen auf Belastungen reagiert, kann diese Zeit sehr lang sein. Wenn Hilfe gebraucht wird, sollte sie auch erreichbar sein.

Natürlich gibt es hervorragende psychologische Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten im Kassensystem. Ihre Arbeit ist unverzichtbar. Aber Psychotherapie besteht nicht nur aus diesem einem einzigen Weg. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie können ebenfalls psychotherapeutisch arbeiten – im Rahmen ihrer rechtlichen Möglichkeiten und mit unterschiedlichen therapeutischen Verfahren.

Und genau hier beginnt für viele Menschen ein Bereich, über den erstaunlich wenig bekannt ist.
Der Mythos: „Das ist doch keine richtige Psychotherapie.“ Doch.

Die Berufsbezeichnung bedeutet nicht, dass jemand lediglich ein bisschen „Lebensberatung“ anbietet. Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker für Psychotherapie verfügen über eine staatliche Erlaubnis zur Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie.

Natürlich gibt es Unterschiede zu einer kassenfinanzierten Psychotherapie. Die Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse in der Regel nicht übernommen. Das kann eine Hürde sein und sollte offen angesprochen werden. In meiner Praxis in der Altstadt in Bietigheim, die auch gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist, biete ich auch ein soziales Honorar an. Ich kann bei entsprechender Dringlichkeit auch kurzfristige Termine anbieten und auch als Überbrückung dienen, bis sich kassenzugelassene Termine auftun. Darüber hinaus bin ich sehr dankbar, dass ich eine gute Zusammenarbeit zwischen den Ärzten vor Ort, Schulen und niedergelassenen Psychotherapeuten habe.

Die Auswahl des therapeutischen Vorgehens ist übrigens nicht an die Vorgaben der gesetzlichen Krankenversicherung gebunden. Manchmal ist genau diese Flexibilität das, was eine Familie in einer schwierigen Lebensphase braucht. Andere Herangehensweisen.

Ich arbeite in meiner Praxis hypnosystemisch. Hypnosystemisch bedeutet nicht: „Ich hypnotisiere dich.“ Der Begriff „Hypnose“ löst bei vielen Menschen zunächst ganz unterschiedliche Vorstellungen aus. Vielleicht denken manche an eine Bühne und Menschen, die plötzlich Dinge tun, die sie sonst nicht tun würden. Mit meiner Arbeit hat diese Vorstellung wenig zu tun. Vielmehr geht es darum, Aufmerksamkeit gezielt zu lenken und innere Erfahrungen nutzbar zu machen.

  • Wir schauen nicht nur darauf, was nicht funktioniert.
  • Wir suchen vor allem nach dem, was bereits funktioniert.
  • Welche Fähigkeiten sind vorhanden?
  • Wann ist die Angst ein kleines bisschen weniger?
  • Was macht einen Unterschied?
  • Welche Menschen geben Sicherheit?
  • Was kann der Körper bereits?
  • Welche inneren Bilder, Erfahrungen und Ressourcen können helfen?

Und dafür Hilfe anzunehmen bedeutet absolut nicht, schwach zu sein. Diesen Gedanken möchte ich gerne aus eigener Sicht etwas ausführen. Denn ich schreibe diesen Artikel nicht nur als Therapeutin. Ich bin auch Mama von vier Kindern im Patchworkmix. Und auch wir als Familie haben schon erlebt, dass man an einen Punkt kommen kann, an dem Unterstützung von außen einfach existentiell wichtig sein kann. Nicht, weil man als Familie versagt hat. Nicht, weil man etwas „nicht alleine schaffen kann“. Sondern weil das Leben manchmal Situationen bereithält, in denen ein Blick von außen, ein geschützter Raum oder ein Mensch, der ein Stück mitgeht, unglaublich wertvoll ist.

Und auch ich selbst kenne diese Momente.
Obwohl ich Therapeutin bin.
Vielleicht sogar gerade deshalb.

Denn Therapeutin zu sein bedeutet nicht, immer alles selbst im Griff zu haben. Auch ich bin immer wieder dankbar für eine gezielte Unterstützung und auch regelmäßige Supervisionen. Für mich selbst hat Therapie sehr viel mit Selbstwirksamkeit und Selbstachtung und Persönlichkeitsentwicklung zu tun. Das ist für mich Stärke. Und vielleicht ist genau das eine der wichtigsten Botschaften, die wir unseren Kindern und Jugendlichen mitgeben können: Offenheit und Neugier.

Praxisbeispiel: Ein Mädchen, das wieder Zugang zu sich selbst gefunden hat:
Eine junge Patientin, die ich über eine längere Zeit begleiten durfte, kam mit einer sehr belastenden
Geschichte zu mir. Sie hatte in der Vergangenheit mit starken Aggressionen, selbstverletzendem Verhalten und sehr dunklen, lebensmüden Gedanken zu kämpfen. Was mich von Anfang an beeindruckt hat, war ihre unglaubliche Motivation. Sie wollte etwas verändern. Und sie war bereit, sich auf die gemeinsame Arbeit einzulassen. Wir haben nicht versucht, einfach „die Symptome wegzumachen“, obwohl das verständlicherweise natürlich der Hauptwunsch war. Wir haben uns auf die Suche gemacht. Erkannt, dass die Symptome wichtige ungestillte Bedürfnisse ausdrücken. Diese Bedürfnisse erst einmal zu erkennen und dadurch frühzeitiger wahrnehmen zu können, war ein wichtiger Schlüssel.

Achtsamkeit und Selbstfürsorge führten zu mehr Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Unangenehme Symptome und Verhaltensweisen wurden mit der Zeit weniger.

Auch die Eltern werden bei mir mit in die Therapie eingebunden und bekommen, sofern es für die Klienten/innen in Ordnung ist, Einblicke in die Sitzungen. Um gezielt mitwirken und unterstützen zu können oder auch einfach nur, um mehr Verständnis für ihr Kind zu haben.

Es gibt so unzählige Momente, die man als Therapeutin nicht vergisst: Zum Beispiel in einer Sitzung auch mal gemeinsam auf dem Boden zu liegen. Nicht, weil etwas schiefgelaufen war. Sondern weil es einfach gerade genau richtig war. Dem Gefühl des Gegenübers zu folgen, sich gemeinsam zu erden und ganz bei sich selbst anzukommen. Ohne Erwartungsdruck an den anderen, alles loszulassen und einfach sein zu dürfen.

Feststellen zu dürfen, wie viel Ruhe, Leichtigkeit und Lächeln schon Einzug in den Körper gehalten hat. Und dieses wunderbare Gefühl von: „Da ist so viel mehr in mir.“

Oder auch, wenn ein Kind nach einer Sitzung plötzlich spontan und ganz gedankenverloren anfängt vor sich hin zu tanzen und die Mama voller Erstaunen ihr Kind wieder wahrnimmt, mit dem Blick- das gibt es noch in dir ?

Das sind für mich die Momente, die bleiben. Nicht, weil plötzlich alles perfekt ist. Sondern weil ein junger Mensch erlebt:

  • „Ich bin mehr als das, was mir passiert ist oder mehr als das Chaos das ich in mir erlebe.“
  • „Ich habe Fähigkeiten.“
  • „Ich kann etwas verändern.“
  • „Da ist etwas in mir, auf das ich zurückgreifen kann.“

Und genau da begegnen sich für mich Therapie und Lebensfreude. Und warum ich dieses ein Hoch auf uns wirklich fühle 🙂

Ein Hoch auf uns!
Ein Hoch auf Jugendliche, die trotz ihrer schwierigen Erfahrungen immer wieder aufstehen.
Ein Hoch auf Familien, die sich Unterstützung erlauben.
Ein Hoch auf alle Menschen, die therapeutisch begleiten und dabei jeden Tag miterleben dürfen, wie aus kleinen Veränderungen manchmal wieder etwas ganz Großes entsteht: Lebensfreude.

 

(c) Claudia Ulitzka-Ringleb

PS: Ein Hoch auf uns!  ist inspiriert vom gleichnamigen Song von Andreas Bourani.



Wenn alles Kopf steht
Claudia Ulitzka-Ringleb
Heilpraktikerpraxis für Psychotherapie Kinder, Jugendliche & Erwachsene
Hauptstraße 8
74321 Bietigheim-Bissingen
info@alles-steht-kopf.de

 

 

 

 

Mehr Informationen auf der Webpräsenz: alles-steht-kopf.de

 

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