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DASGESUNDMAGAZIN VON BIRGIT MATZ

Es betrifft jede Frau: subtil, still, gewöhnlich Verborgene Männermacht und strukturelle Gewalt

Die Auseinandersetzung mit Macht und Gewalt ist so alt, wie wir es denken können. Gleichermaßen ist sie so jung, dass wir sie jeden Tag neu erleben können: digital, live, real, echt. Ich spreche von verborgener Macht und von struktureller Gewalt, die von Männern ausgeht. Auch wenn die Ursachen hierfür in allen wissenschaftlichen Fachrichtungen (biologisch, philosophisch, psychologisch, systemisch …) untersucht worden sind, bleibt es im Raum und verschwindet nicht einfach. Es braucht mehr … doch was genau?

Du denkst, du bist nicht betroffen? Es geht dich nichts (mehr) an?

Machtgehabe und Gewalt sind immer noch sehr männlich (Ich sage nicht angeboren oder geschlechtsspezifisch). Ja, es gibt viele Frauen, die ähnliche Verhaltensweisen annehmen (müssen), um anerkannt oder als kompetent gesehen zu werden – je nach Maßstab.

Ja, das hier ist meine eigene Forschungsreise und Meinung, weil ich es endlich durchdringen und verstehen will. Denn: Es trifft uns als Gesellschaft in der aller dunkelsten Tiefe. Die radikale Befreiung rüttelt schon so lange an der Tür, die echte Freiheit ermöglichen kann. Radikal, weil das krankmachende Gewächs an der Wurzel herausgerissen werden muss. Weil die vielen Samen, die von Frauen gerade liebevoll gesät und als Keimling gehütet werden, Raum, Luft und Ehrlichkeit benötigen, um in voller Pracht wachsen zu können.

Lange habe ich geglaubt, mich betreffen männlicher Missbrauch und Gewalt nicht – und wenn, dann nur am Rande. Bis sich eines Tages eine tiefere Dimension gezeigt hat. Dies hat mich bis in die hinterste Körperzelle getroffen und eine Erschütterung ausgelöst, die immer noch vibriert!

Ich bin sicher: Es betrifft jede Frau. Heimlich. Subtil. Still. Gewöhnlich. Unterschwellig. Jetzt. Heute. Immer noch.


Mein bewusstes erstes Mal?

Ein Bewerbungsgespräch vor 36 Jahren. Rotes Ledersofa. 2 Männer. „Wann planen Sie Ihr erstes Kind? Sie sind ja verheiratet?“ (Stelle nicht bekommen)

Später:
Kaffee kochen und Spülmaschine ausräumen im Großraumbüro. Als Einzige.

Später:
Unbezahltes Ehrenamt im Kindergarten als Elternbeirätin. Unzählige Stunden am Basteltisch oder in Besprechungen für Extrageld in die „leeren“ Gemeindekassen.

Später:
Muttersein: Unentgeltliches Kümmern um Kinder. 24/7. Auch in der Klinik.

Später:
Machtgehabe von Chefs, die nicht führen können und die Verantwortung auf Unschuldige lenken oder Machtgehabe von Führungskräften, die sich über Frauen lustig machen, die anscheinend ein Problem mit Fülle und Geld haben oder Mobbing aufgrund des Lebensalters.

Noch später … noch später …

Immer: Nachts alleine mit Bus und Bahn und zu Fuß unterwegs zu sein, in der Begleitung von Unwohlsein und subtiler Angst und angespanntem Nervensystem.

 

Kennt ihr den Witz? Was machen Männer, die 24 Stunden eine Welt ohne Frauen erleben? Sie holen sich eine Kiste Bier, laden ihre Kumpels ein, schauen Fußball und die Welt ist fein. Was machen Frauen ohne eine Welt mit Männern? Sie gehen aus, essen, tanzen, haben Spaß und fühlen sich frei – und sie laufen nachts alleine auf der Straße ohne Pfefferspray in der Tasche und ohne Angst.

Das Thema der strukturellen Gewalt des Patriarchats hat sich Marietta Ullmann auf ihre Freiheitsfahne geschrieben. Ich liebe ihre Würde-Arbeit und ihren Ausdruck und Engagement für Frauen sehr.

In einem ihrer letzten Podcasts hat sie Dr. Rouven Schneider interviewt. Titel: „Wenn die Scham die Seite wechselt“.

Hier zum Hören und Verstehen:

 

Ich wünsche mir Männerkreise, die sich genau damit beschäftigen. Echt. Ehrlich. Wahrhaftig. Und ich wünsche  mir Frauenkreise, die nicht mehr mit von Neid, Eifersucht, Geschätz oder Gerede gefüttert werden müssen.

 

(c) Birgit Matz im Mai 2026

PS:
Die Formulierung, die eine Allgemeinheit ansprechen, sind hier aus stilistischer Sicht gewollt. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen. In diesem Artikel geht es zudem weder um Politik noch um Biologie. Es geht um das, was Frauen jeden Tag erleben.

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