www.dasgesundmagazin.de kontakt@dasgesundmagazin.de 07171 95 93 591

DASGESUNDMAGAZIN VON BIRGIT MATZ

Falten & Freiheit: Warum die besten Jahre jetzt beginnen Ein Gastbeitrag von Maren Weingarten

„Die Wechseljahre haben mich verändert – zum Glück“

Die Wechseljahre kamen bei mir nicht leise und auch nicht besonders glamourös. Sie kamen mit Schlaflosigkeit, Herzklopfen, Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und diesem seltsamen Gefühl, mich im eigenen Körper manchmal fremd zu fühlen.

Plötzlich funktionierte vieles nicht mehr so wie früher und ich merkte, dass ich mit Disziplin und „Zusammenreißen“ nicht mehr weiterkam.

Ehrlich gesagt fand ich das anfangs ziemlich beängstigend, weil ich viele Jahre meines Lebens daran gewöhnt war, einfach weiterzumachen. Funktionieren eben. Für andere da sein, organisieren, Verantwortung übernehmen, stark sein, alles gleichzeitig schaffen. Ich hatte immer das Gefühl, über endlose Ressourcen zu verfügen.

Bis zum vergangenen Jahr. Mit Paukenschlag. Zack – waren sie da. Zumindest gefühlt.
Ich fiel in ein Loch und sackte buchstäblich in mir zusammen. Ein nie dagewesener Zustand, der zunächst meine eigene Notbremse zog. Nach einiger Zeit begann ich dann mich damit auseinanderzusetzen, habe mit meiner Gynäkologin und vielen anderen Frauen gesprochen – und vor allem, das ist die wertvollste Erkenntnis – habe ich diese Phase als das angenommen, was sie ist. Eine Phase des Übergangs und des Überdenkens. Des Klarwerdens und vieler, sehr hilfreicher Erkenntnisse.

Heute glaube ich, dass genau darin die große Kraft dieser Lebensphase liegt. Die Wechseljahre zwingen viele Frauen dazu, genauer hinzusehen. Auf den eigenen Körper, aber auch auf das eigene Leben. Ich habe irgendwann gemerkt, wie oft ich Ja gesagt habe, obwohl ich eigentlich Nein meinte, wie oft ich mich angepasst habe, um es anderen recht zu machen, und wie selbstverständlich ich meine eigenen Bedürfnisse hintenangestellt hatte. Irgendwann ging das nicht mehr. Mein Körper wurde so etwas wie ein ehrlicher Spiegel und zeigte mir ziemlich deutlich, wo ich mich selbst verloren hatte.

Natürlich möchte ich nichts romantisieren. Die körperlichen Veränderungen können belastend sein und manche Tage sind einfach anstrengend. Gleichzeitig empfinde ich diese Zeit aber auch als eine Art Befreiung. Vieles, worüber ich mir früher ständig Gedanken gemacht habe, verliert plötzlich an Bedeutung. Ich muss nicht mehr jedem gefallen, ich muss mich nicht mehr ständig erklären und ich habe aufgehört, mich kleiner zu machen, damit andere sich wohler fühlen. Diese Klarheit hätte ich mit 30 wahrscheinlich weder verstanden noch ausgehalten.

Besonders befreiend finde ich, dass man mit zunehmendem Alter auch unabhängiger von fremden Erwartungen wird. Wir leben zwar immer noch in einer Gesellschaft, die Jugend glorifiziert und Frauen permanent suggeriert, sie müssten möglichst lange jung aussehen, aber irgendwann beginnt man zu verstehen, wie anstrengend dieser Kampf eigentlich ist.

Ja, ich bekomme Falten. Aber diese Falten erzählen eben auch von einem gelebten Leben, von Erfahrungen, Krisen, Glück, Verlusten und Neuanfängen. Warum sollte ich mich dafür schämen? Im Gegenteil! Ich liebe jede einzelne Falte, weil sie zu mir und meinem Leben gehören.

Mit Begriffen wie „Boomer“ kann ich ohnehin wenig anfangen. Oft klingt darin eine gewisse Geringschätzung für ältere Generationen mit, als wäre Lebenserfahrung plötzlich etwas Altmodisches. Dabei lernt man viele wichtige Dinge eben nicht auf Instagram und nicht in perfekt inszenierten Videos. Erfahrung entsteht durch Fehler, durch schwierige Zeiten, durch Verantwortung und dadurch, dass man immer wieder aufsteht, obwohl das Leben manchmal ziemlich unbequem ist.

Ich habe das Gefühl, dass die Wechseljahre mir nicht nur etwas nehmen, sondern auch etwas zurückgeben. Mehr Ehrlichkeit mir selbst gegenüber, mehr Mut, Grenzen zu setzen, und vor allem die Freiheit, mich nicht mehr permanent über Erwartungen anderer definieren zu müssen.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Chance dieser Lebensphase: Dass Frauen irgendwann aufhören, sich selbst zu verlassen, und anfangen, wirklich bei sich anzukommen. Ein großartiger Gedanke, für den es nie zu spät ist.

(c) Maren Weingarten
(c) Foto: Pixabay: Danke!

 

Über die Autorin:

Maren Weingarten (Jahrgang 1974). Sie kennt den Autopilot. Sie war selbst darin. Verlust. Scheidung. Neuanfang. Alleinerziehend. Vollzeit. Sie hat erlebt, wie man sich verliert — und sie weiß, wie man sich wiederfindet. Resilienz. Emotionale Intelligenz. Keine Buzzwords — gelebte Realität. Sie verbindet fachliches Know-how mit tiefem, persönlichem Erfahrungswissen – für ein Leben in Klarheit, Mut & Selbstbestimmung.
instagram.com/heldenberg_coaching

 

 

Noch mehr von der Autorin lesen:

Frauen stärken Frauen: echtes Female Empowerment

Teilen verdoppelt das Glück!