Diana Sellmann kennt sich mit ketogener Ernährung richtig gut aus: aus eigener Erfahrung als auch in der täglichen Praxis mit Klienten. Zu diesem Thema hat die Gesundmagazin-Redaktion – auch im Zusammenhang mit der Buchveröffentlichung – einige Fragen zu Gesundheit, Mythen und Fakten gestellt (Und ich gebe zu: Ich habe mich bisher nicht getraut, diese Ernährungsform auszuprobieren):
Wie sind Sie zur ketogenen Ernährungsform gekommen?
Das Thema Ernährung und ihr Einfluss auf unsere Gesundheit interessiert mich schon sehr lange. Auch durch meinen Vater, der Diabetiker war, habe ich früh verstanden, dass neben unseren Genen auch die Ernährung und der eigene Lebensstil eine wichtige Rolle spielen. Seit rund 15 Jahren ernähre ich mich deshalb bereits kohlenhydratreduziert.
Zur ketogenen Ernährung bin ich dann tatsächlich durch die Wechseljahre gekommen. Ich hatte typische Beschwerden wie Hitzewallungen und Schlafprobleme und las irgendwann, dass eine ketogene Ernährung hier hilfreich sein kann. Also habe ich es ausprobiert – und war selbst überrascht, wie gut es mir damit ging. Meine Hitzewallungen verschwanden, ich konnte wieder durchschlafen und fühlte mich insgesamt energiegeladener und konzentrierter. Tatsächlich schlafe ich heute besser als jemals zuvor.
Diese Erfahrung hat mein Interesse an Keto noch einmal deutlich verstärkt. Als ausgebildete Ernährungsberaterin mit Schwerpunkt Gewichtsmanagement und Diätberatung habe ich mich daraufhin auch im Bereich der ketogenen Ernährung weitergebildet. Seit über einem Jahr ernähre ich mich nun dauerhaft ketogen.
Was die Mythen und Irrtümer tatsächlich sind
Einer der häufigsten Irrtümer ist für mich, dass ketogene Ernährung automatisch einseitig sei und hauptsächlich aus Fleisch bestehe. Dabei kann sie sehr abwechslungsreich sein – mit Eiern, Fisch und Fleisch, hochwertigen Fetten, Nüssen und Samen und natürlich auch einer großen Auswahl an kohlenhydratarmem Gemüse. Selbst eine vegetarische ketogene Ernährung ist möglich.
Auch die pauschale Aussage, Fleisch sei grundsätzlich entzündungsfördernd, sehe ich kritisch. Es macht einen Unterschied, ob wir von einem naturbelassenen, hochwertigen Stück Fleisch oder von stark verarbeiteten Fleischprodukten sprechen. Für mich kommt es deshalb nicht darauf an, Fleisch grundsätzlich als „gut“ oder „schlecht“ einzustufen, sondern auf die Qualität, die Verarbeitung und natürlich auf die gesamte Ernährung.
Ein weiterer Irrtum ist, dass unser Körper zwingend Kohlenhydrate über die Nahrung braucht. Natürlich benötigt er eine gewisse Menge Glukose. Diese kann er aber auch selbst herstellen – unter anderem über die sogenannte Glukoneogenese. Kohlenhydrate gehören deshalb, anders als bestimmte Aminosäuren und Fettsäuren, nicht zu den essenziellen Nährstoffen.
Was die Meisten oft falsch denken oder falsch machen
Ein häufiger Fehler ist die Angst vor Fett. Wer Kohlenhydrate stark reduziert, muss dem Körper eine alternative Energiequelle zur Verfügung stellen. Entscheidend ist dabei die Qualität: Ich setze auf möglichst natürliche Fettquellen wie Olivenöl, Butter, Avocado, Nüsse oder Kokosöl und möglichst wenig hochverarbeitete Produkte.
Ein weiterer Fehler: Gerade am Anfang werden Flüssigkeit und Elektrolyte häufig unterschätzt. Wenn sich die Glykogenspeicher leeren, verliert der Körper vermehrt Wasser und damit auch wichtige Elektrolyte. Deshalb ist es am Anfang besonders wichtig, ausreichend zu trinken und auf eine gute Versorgung mit Elektrolyten zu achten. So lassen sich typische Beschwerden der sogenannten ‚Keto-Grippe‘ häufig deutlich reduzieren oder sogar vermeiden.
Ein weiterer Irrtum ist, ketogene Ernährung ausschließlich als Methode zum Abnehmen zu sehen. Tatsächlich hat diese Ernährungsform längst auch die Aufmerksamkeit der Wissenschaft gewonnen. Untersucht wird unter anderem, welche Rolle der ketogene Stoffwechsel bei verschiedenen Stoffwechselerkrankungen und neurologischen Erkrankungen spielen kann. Die ketogene Ernährung ist deshalb weit mehr als nur ein Konzept zur Gewichtsreduktion.
Wie Diana Sellmann das in der Praxis erlebt
In meiner Beratung erlebe ich ganz unterschiedliche Reaktionen. Menschen, die sich schon einmal mit ketogener Ernährung beschäftigt haben, sind oft neugierig und offen dafür. Andere sind zunächst eher skeptisch – häufig aufgrund der typischen Vorurteile, zum Beispiel, dass so wenige Kohlenhydrate auf Dauer nicht gesund sein können oder die Ernährung zu einseitig sei.
Spannend finde ich, wie sich diese Haltung verändern kann, sobald man sich näher damit beschäftigt und versteht, was dabei eigentlich im Körper passiert. Meine Erfahrung ist bisher sehr positiv: Wer sich wirklich darauf eingelassen und die ketogene Ernährung ausprobiert hat, hat sich damit sehr wohlgefühlt und ist häufig auch dabeigeblieben.
Mir ist trotzdem wichtig, niemanden von einer bestimmten Ernährungsform überzeugen zu wollen. Eine Ernährungsumstellung muss immer zum Menschen, zu seiner gesundheitlichen Situation und natürlich auch zu seinem Alltag passen.
Und: Für wen das gar nichts ist
Auch wenn ich selbst sehr gute Erfahrungen mit der ketogenen Ernährung gemacht habe, ist sie natürlich nicht automatisch für jeden Menschen die richtige Wahl. Wer Vorerkrankungen hat, regelmäßig Medikamente einnimmt oder sich in medizinischer Behandlung befindet, sollte eine solche Ernährungsumstellung vorher mit seinem Arzt besprechen.
Besondere Vorsicht ist zum Beispiel bei Typ-1-Diabetes notwendig. Hier sollte eine ketogene Ernährung nicht auf eigene Faust begonnen werden. Auch bei Erkrankungen der Leber oder Bauchspeicheldrüse sowie bei bestimmten seltenen Stoffwechselerkrankungen kann eine ketogene Ernährung ungeeignet sein oder eine medizinische Begleitung erfordern.
Auch während der Schwangerschaft und Stillzeit sollte eine ketogene Ernährung vorher mit dem behandelnden Arzt abgestimmt werden, damit die individuellen Bedürfnisse von Mutter und Kind berücksichtigt werden können.
Grundsätzlich gilt für mich: Sobald Erkrankungen, Medikamente oder besondere Lebensphasen eine Rolle spielen, sollte eine ketogene Ernährung ärztlich abgeklärt und bei Bedarf begleitet werden.
Diana Sellmann
Ketogene Ernährung
Was, wenn Gesundheit ganz anders beginnt?
BOD, August 2026
Warum ich mich entschieden habe, dieses Buch zu schreiben
Die Idee zu diesem Buch ist aus meiner persönlichen Erfahrung und meiner Arbeit als Ernährungsberaterin entstanden. Mir begegnet immer wieder, dass viele Menschen zwar schon von ketogener Ernährung gehört haben, aber nur eine sehr vage oder oftmals falsche Vorstellung davon haben. Häufig wird sie auf „keine Kohlenhydrate und viel Fleisch“ reduziert. Dabei steckt dahinter ein faszinierender Stoffwechselprozess, den ich verständlich machen wollte.
Mir war wichtig, kein weiteres Kochbuch zu schreiben und auch kein medizinisches Fachbuch, das für viele Menschen schwer zugänglich ist. Ich wollte erklären, was im Körper tatsächlich passiert: Welche Rolle spielen Zucker und Insulin? Was verändert sich, wenn der Körper beginnt, Ketonkörper zu bilden? Und warum kann diese Form der Energiegewinnung weit mehr bedeuten als lediglich Gewichtsverlust?
Meine eigene Erfahrung hat dabei sicherlich eine große Rolle gespielt. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit Ernährung und Gesundheit, doch erst durch meine persönliche Erfahrung mit der ketogenen Ernährung und die anschließende fachliche Vertiefung ist daraus eine echte Leidenschaft geworden.
Genau das möchte ich mit meinem Buch weitergeben: fundiertes Wissen so erklären, dass man keine medizinischen Vorkenntnisse benötigt, um die Zusammenhänge im eigenen Körper zu verstehen. Denn für mich ist ketogene Ernährung keine kurzfristige Diät und kein vorübergehender Trend, sondern eine Ernährungsform, die einen ganz neuen Blick auf Stoffwechsel und Gesundheit eröffnen kann.
(c) Diana Sellmann
Mehr über die Autorin hier erfahren: praxis-dianasellmann-beratung.com
Das Buch ist im Handel oder in deiner Buchhandlung vor Ort zu beziehen.
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